Wiener Stadthalle, 14. & 15. Oktober 2020

Aktuelles

Wasser sparen beginnt im Kopf

28. Mai 2020

Fünf vor Zwölf? Nein. Eher Schlag Zwölf. Im Umgang mit Wasser ist Disziplin mehr als angesagt, und zwar schon in dem Moment, in dem man nur einmal beabsichtigt, den Wasserhahn aufzudrehen. Viele gute Ansätze zur Ressourcenschonung gibt es bereits in der Sanitärindustrie. Doch es geht noch mehr. Viel mehr.

Von Barbara Jahn

 


Ein Stück Eigenverantwortung: Dornbracht legt mit seinen intelligenten Tools für Wasserchoreografien die Entscheidung in die Hände des Benutzers. © Foto: Dornbracht

  

Unsere Welt steht vor großen Herausforderungen. Insgesamt betrachtet vielleicht vor der größten Bewährungsprobe, die es je gegeben hat. Corona ist nur das jüngste Beispiel dafür, wie alles blitzschnell aus den Fugen geraten kann, wenn sich von einem Moment auf den anderen etwas so ändert, dass nichts mehr funktioniert. In vielen Bereichen ist ein fundamentales Umdenken erforderlich: Die ständig steigende Weltbevölkerung und die zunehmende Urbanisierung stellt die Menschen vor Platzprobleme, der voranschreitende Klimawandel lässt seit Jahrhunderten bewährte Wirtschafts- und Ökosysteme zusammenbrechen, die soziale Schere geht immer weiter auf statt zu. Da Schöne daran aber ist, dass jeder etwas dazu beitragen kann.

 

 

Unsichtbare Effizienz: Die Eco-Smart Technologie von Hansgrohe kann durch Beimischung von Luft bis zu 60 Prozent Wasser einsparen. © Foto: Hansgrohe

 

Ein globales Gemeinschaftsprojekt der Menschen muss das Schonen der Wasserressourcen sein. Wie lange wird es noch davon geben? Die Uhr tickt. Wenn die Flüsse aufgrund von häufigerer Trockenheit und ausbleibendem Regen- und Schneefall kein Wasser mehr führen, wird es auch mit der ach so wunderbaren Wasserkraft zu Ende gehen. Die Alternativen sind dann Wälder von Windrädern und ganze Landstriche voller Solarzellen, weil wir mehr Sonnenschein und Wind haben werden, als wir es eigentlich wollen? Ein Horrorszenario – zumindest für viele. In der Sanitärindustrie gibt es schon seit vielen Jahren gute und vor allem auch umsetzbare Ideen, die den Wasserverbrauch im Alltag reduzieren können. Spartasten bei den Toilettenspülungen und Armaturen, die das gleiche Wassererlebnis bei weniger Durchflussmenge anbieten können, sind längst in den Portfolios angekommen. Das ist aber nur ein Teil der Geschichte. Das Problem ist oft, dass die Benutzer die Tools nicht richtig einsetzen. Wie oft wird auf der Toilette – nach dem „kleinen Geschäft“ – doch die große und nicht die kleine Taste gedrückt? Wie oft wird bei der Nassrasur und dem Zähneputzen das Wasser laufen gelassen? All das ist nicht im Sinne des Erfinders. Hier müssen Produzent und Konsument eine Sprache sprechen lernen.

 

Zwei in einem: Bei W+W von Roca wird das Waschbecken-Wasser für den nächsten Toilettenspülgang gesammelt. © Foto: Roca

 

Trotzdem ist es gut, dass das an all diesen Wasser sparenden Produkten weitergearbeitet wird. Parallel ist auch die Architektur gefordert, sich Lösungen zu überlegen. Eine davon ist die Installation von Grauwasser-Systemen, die bei der Errichtung eines Gebäudes verpflichtend sein sollte. Denn jedes einzelne Gebäude nachträglich mit einem Grauwasser-System, also mit einem zweiten Wasser führenden System, in dem das Abwasser von Geschirrspülmaschinen, Waschmaschinen, Waschbecken gesammelt, gefiltert und schließlich noch einmal verwendet wird, umzurüsten, bedeutet einen Kraftakt – auch einen finanziellen. Da das eher unwahrscheinlich ist, wäre es umso wichtiger, dass man wenigstens kleine Schritte in diese Richtung macht. Entweder man sammelt – wie schon Jahrhunderte zuvor auch – das Regenwasser, oder man macht sich die Mühe und hebt Wasser auf, um es bei Gelegenheit wieder zu verwenden. Oder man löst es auf zeitgemäße Art. Und das ist gar nicht abwegig, denn was spricht etwa dagegen, Wasser, das man für das morgendliche erfrischende Gesichtsbad verwendet, zu sammeln und zu gegebenem Zeitpunkt als Spülwasser in der Toilette zu verwenden?

 

Es geht auch ohne: Wasserlose Urinale, wie diese außergewöhnlichen Eyecatcher von Senza Aqua, liefern einen wertvollen Beitrag zum Wassersparen. © Foto: Senza Aqua

 

So, wie es aussieht, liegt in den Toiletten ohnehin das meiste Wassersparpotenzial. Wasserlose Urinale sind ein erster Schritt dahin, wertvolles Trinkwasser nicht für die WC-Spülung zu verschwenden. Doch es gibt noch ganz andere, visionäre Konzepte, die sogar aus den Hinterlassenschaften der Menschen etwas Besonderes hervorbringen können, wie das Toiletten-Konzept „save!“, eine innovative Stofftrennungstoilette, die in jahrelanger Forschungsarbeit des Schweizer Eawag, das Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs, unter der Leitung der Umweltingenieurin Tove Larsen für die Bill & Melinda Gates Foundation entwickelt wurde. Für das Design sowie die Entwicklung der Urine Trap zeichnet das Wiener Designertrio EOOS verantwortlich. Die Urinseparationstoilette ermöglicht die einfache Sammlung von Urin und verhindert, dass wertvolle Rohstoffe im Abwasser Algenteppiche in Küstengebieten verursachen und die Natur zerstören. Das Kernstück, die Urine Trap, ermöglicht eine unauffällige Abtrennung von Urin in einen eigenen Abwasserstrom, um daraus Dünger herzustellen.

 

Mehr als ein Klosett: Die Urin-Trenn-Toilette save! von Laufen trägt mit der zum Schutz der Flüsse und Meere bei. © Foto: EOOS

 

Bereits jetzt ist das Konzept von save! so ausgereift, dass es den neuesten Industriestandards entspricht und Urin passiv von Fäkalien und Spülwasser trennt, so dass er anschliessend mit Backend-Systemen wie dem von Vuna, ein Spin-Off der Eawag, schnell, einfach und biologisch aufbereitet werden kann. So können Nährstoffe durch Verfahren mit biologischer Stabilisierung, Aktivkohlefiltration und Verdampfung, die den in der Toilette abgetrennten Urin in das Düngerkonzentrat Aurin umwandeln, rückgewonnen werden. Diesem wurde vom schweizerischen Bundesamt für Landwirtschaft die Zulassung für alle Pflanzen erteilt. Was zuerst nur eine Revolution war, ist ging schon in Serienproduktion. Tove Larsen als Spezialistin für städtische Wasserwirtschaft meint: „Getrenntes Abwassermanagement ist vor allem für schnell wachsende Metropolen von entscheidender Bedeutung, um katastrophale Schäden an Flüssen und Ozeanen zu verhindern. save! stellt einen Durchbruch für eine effektive und hygienische Abwasserseparation dar. Damit gibt es endlich die sanitäre Lösung für das 21. Jahrhundert.“

 

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